Oddo BHF will ihre Investmentbank vergrößern und die Zahl der Banker verdreifachen. Mit Fokus auf den Mittelstand und einem neuen Beteiligungsmodell soll die Bank als führende Beratungsboutique in Deutschland, Frankreich und der Schweiz wachsen. Ambition oder kalkulierter Erfolg?
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ODDO BHF
Die deutsch-französische Privatbank Oddo BHF plant eine massive Expansion ihres Investmentbankings. Mit ambitionierten Zielen und einer klaren Strategie will sich das Institut als führende Beratungsboutique für mittelständische Unternehmen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz etablieren. Doch was steckt hinter diesem Vorstoß, und warum gerade jetzt?
In den nächsten zwei bis drei Jahren will Oddo BHF die Zahl ihrer Investmentbanker von aktuell rund 35 auf 100 erhöhen. Das ist keine kleine Ansage, sondern ein klares Bekenntnis zu Wachstum. Christian Zahn, Chef des Investmentbankings bei Oddo BHF, erklärt die Strategie: „
Wir wollen mittelständische Unternehmen in Schlüsselsektoren wie Gesundheitsversorgung, Technologie, Industriegüter und Logistik langfristig beraten.“
Der Fokus liegt dabei nicht nur auf Transaktionen im klassischen Mittelstandsbereich von 50 bis 300 Millionen Euro. Oddo BHF will in Zukunft auch größere Deals im Milliardenbereich begleiten. Damit nimmt die Bank eine Nische ins Visier, die zwischen den großen internationalen Banken und kleineren Boutiquen bisher oft unterversorgt bleibt.
Ein zentraler Anreiz, mit dem Oddo BHF neue Talente gewinnen will, ist das Beteiligungsmodell. Rund 25 Prozent der Bank gehören den Mitarbeitenden – ein Konzept, das nun auch auf die Investmentbank ausgeweitet wird. Zahn sieht darin einen wichtigen Wettbewerbsvorteil: „Unsere Mitarbeiter werden am Erfolg der Gruppe beteiligt.“ Damit will Oddo BHF nicht nur hochkarätige Banker anziehen, sondern auch eine langfristige Bindung schaffen.
Neben dem Ausbau in Deutschland und Frankreich setzt Oddo BHF auf Wachstum in der Schweiz. Das Zürcher Team soll im ersten Quartal 2025 um erfahrene Aktienbroker und Analysten erweitert werden. Ziel ist es, künftig 80 Schweizer Aktien abzudecken und sich unter den Top drei im Aktiengeschäft der Schweiz zu positionieren.
Ein weiteres Highlight ist die verstärkte Kooperation mit der Commerzbank. Die Zusammenarbeit, die seit 2021 in Deutschland und seit Anfang des Jahres auch in der Schweiz besteht, konzentriert sich auf Aktientransaktionen wie Kapitalerhöhungen und Börsengänge. Diese Partnerschaft könnte Oddo BHF helfen, sich schneller in einem umkämpften Markt zu etablieren.
Die Ankündigung kommt zu einer Zeit, in der das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) noch von einer allgemeinen Schwäche geprägt ist. Dennoch hält Zahn den Zeitpunkt für ideal. Der Rückstau an Transaktionen sei groß, da viele Deals in den vergangenen Jahren auf Eis gelegt wurden. Gleichzeitig stehen viele mittelständische Unternehmen vor Herausforderungen wie Nachfolgeregelungen, Wachstumsfinanzierungen und strategischen Portfoliobereinigungen.
Mit ihrer Positionierung als mittelstandsfreundliche Beratungsboutique und ihrem breiten Angebot scheint Oddo BHF genau auf diese Bedürfnisse zu zielen.
Oddo BHF setzt mit der Verdreifachung ihrer Investmentbanker und dem Ausbau in der Schweiz klare Wachstumsakzente. Die Bank positioniert sich als kompetenter Partner für den Mittelstand, der nicht nur bei Transaktionen, sondern auch bei strategischen Entscheidungen unterstützen will. Ob diese Offensive die erhofften Ergebnisse bringt, wird davon abhängen, wie schnell und effektiv Oddo BHF die angekündigten Maßnahmen umsetzt. Eines ist jedoch sicher: Die deutsch-französische Bank hat sich ambitionierte Ziele gesetzt – und ist bereit, diese mit Nachdruck zu verfolgen.
Die Apobank blickt zufrieden auf 2024: Das Betriebsergebnis legt kräftig zu, die Bilanzsumme steigt moderat und die Dividende soll erneut bei sechs Prozent liegen. Trotz Sonderbelastungen steht die Bank solide da.