Allianz-Konsortium vor Übernahme von Viridium – Milliarden-Deal steht kurz bevor

Der Verkauf von Viridium steht kurz vor dem Abschluss: Ein von der Allianz geführtes Konsortium will den Lebensversicherungs-Abwickler übernehmen. Der Milliardendeal könnte die Kräfteverhältnisse im deutschen Run-off-Markt nachhaltig verschieben.

Anja Amend

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Anja Amend

Veröffentlicht am

16.3.25

Allianz-Konsortium vor Übernahme von Viridium – Milliarden-Deal steht kurz bevor

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Viridium Gruppe | Neu-Isenburg

Im deutschen Lebensversicherungsmarkt zeichnet sich ein bedeutender Eigentümerwechsel ab: Der Verkauf des Lebensversicherungs-Abwicklers Viridium ist offenbar in der finalen Phase. Ein von der Allianz angeführtes Konsortium steht nach übereinstimmenden Medienberichten kurz vor dem Abschluss eines Kaufvertrags im Volumen von rund 3,5 Milliarden Euro – eine der größten Transaktionen in der Branche seit Jahren.

Allianz sichert sich Schlüsselposition im Run-off-Markt

Nach Informationen aus Verhandlungskreisen wird die Allianz voraussichtlich einen Anteil von 25 Prozent an Viridium übernehmen. Weitere Investoren, darunter BlackRock, der japanische Versicherer T&D Holdings sowie Generali, beteiligen sich ebenfalls am Deal. Generali ist bereits mit zehn Prozent an Viridium engagiert und plant, diese Position im Rahmen der Neuordnung zu behaupten.

Für die Allianz bedeutet die Beteiligung den strategischen Einstieg in den Markt der Lebensversicherungs-Abwicklung, einem Segment, das bisher vor allem von Finanzinvestoren dominiert wurde. Damit stärkt der Konzern seine Stellung in einem zunehmend konsolidierenden Umfeld.

Cinven zieht sich zurück – BaFin bremst Private-Equity-Investoren aus

Ausschlaggebend für die Verkaufsbereitschaft des bisherigen Mehrheitseigners Cinven waren regulatorische Vorgaben. Die Finanzaufsicht BaFin hatte zuletzt deutlich gemacht, dass sie eine mehrheitliche Kontrolle von Beständen durch Private-Equity-Gesellschaften kritisch sieht – auch aufgrund der Erfahrungen mit dem italienischen Versicherer Eurovita, der unter Cinvens Einfluss in Schieflage geriet.

Nicht zuletzt verhinderte die BaFin einen geplanten Erwerb von Zurich-Beständen durch Viridium, was den Verkaufsprozess beschleunigte. Auch die Generali und die Hannover Rück, die weitere Anteile an Viridium hielten, nutzen die Gelegenheit zum Ausstieg.

Hannover Rück trennt sich von Beteiligung

Für die Hannover Rück bedeutet der Verkauf einen Abschied von einer Beteiligung, die das Unternehmen seit der Gründung von Viridium begleitet hat. Finanzvorstand Clemens Jungsthöfel unterstrich, dass der Rückzug keine wesentlichen Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis des Rückversicherers haben werde.

Allianz als neuer Taktgeber

Mit dem Einstieg bei Viridium übernimmt die Allianz eine aktive Rolle im Bereich der Run-off-Plattformen. Viridium verwaltet aktuell rund vier Millionen Lebensversicherungsverträge mit einem Kapitalanlagevolumen von etwa 73 Milliarden Euro. Die Allianz verfügt selbst über umfangreiche Erfahrung im Lebensversicherungsgeschäft und dürfte künftig noch stärker Einfluss auf die Strukturierung und Konsolidierung des deutschen Run-off-Marktes nehmen.

Die Transaktion markiert zudem einen Richtungswechsel: Institutionelle Investoren wie die Allianz ersetzen zunehmend klassische Finanzinvestoren, was auf ein langfristiger angelegtes Engagement im Bestandsgeschäft schließen lässt.

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